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Kurzzeitberatung - Geht das?

© Thomas Freitag  -  Freitag, 24. Juni 2016 11:45

Vom möglichen Irrtum einer ganzen Coaching-Generation

„Das Problem meiner Kundin war schon auf dem Weg vom Auto zum Meetingraum mit einer Frage gelöst.“ So die kühne Behauptung eines Coachingausbildners anlässlich eines Seminars, das ich früh in meiner Coachingkarriere besucht hatte. „Lösungsorientierte Kurzzeit-Beratung“ heisst die damals erlernte Technik. Heerscharen von Absolventen solcher Kurse sind heute im Coachingmarkt unterwegs, viel davon geschätzte Berufskollegen. Ich nehme an nicht alle werden Gefallen finden an diesem Blogeintrag.

Veränderung braucht nämlich Zeit. Kein Coachingkunde sollte dem Irrtum erliegen, sein Wunsch werde rasch Realität, quasi über Nacht, wo bekanntlich auch manchmal Wunder geschehen.

Coachingkunden wünschen sich in aller Regel eine grundsätzliche Entwicklung in einem für ihr Leben - meist Berufsleben - wesentlichen Bereich:

  • Besseres Selbst-Management
  • Gestärkte Beziehungen in Berufs- und Privatleben
  • Mehr Vertrauen
  • Ein erfolgreicher Lebensweg, in der individuellen Definition von „Erfolg“
  • Ein besserer Kommunikator werden und damit mehr Wirkung als Führungskraft erzielen

Dies sind die in meiner Erfahrung wichtigsten Bedürfnisse heutiger Einzel-Coachingkunden. In meiner nunmehr 13 jährigen Erfahrung als professioneller Business-Coach braucht es mehr als eine clevere Frage des Coach, um mit solchen Themen einen entscheidenden, nachhaltigen Schritt vorwärts zu kommen. 

Es reicht auch nicht aus, wenn der Klient das Gefühl hat, mit einer Einsicht sei es getan. Eine Kundin fühlte sich beispielsweise nach einer Besprechung enorm gestärkt in ihrem Willen, sich vermehrt mit ihrem „inneren Krieger“ für sich selber einzusetzen. Erste Abgrenzungs-Versuche waren zwar erfolgreich. Aber mit der Zeit merkte sie immer wieder, dass sie in alte Muster verfiel. Einmal „Nein“ sagen geht, doch ihr innerer Schweinehund überwältigte sie bei anspruchsvollen Anfragen immer wieder.
Nachhaltige Veränderung braucht Zeit und wohl auch Rückschläge. Und Feedback von Drittpersonen, denen die erwünschte Entwicklung einer Person bewusst ist und die ehrlich und professionell Feedback geben können.
Nehmen wir Vertrauen als Beispiel-Thema: Sind sie einverstanden, dass Sie noch niemandem sofort und bedingungslos vertraut haben? Das wäre ja auch zu gefährlich. Also bedingt das Aufbauen von Vertrauen etwa in einer Kundenbeziehung Erfahrungen beider Parteien, bei denen die Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und passende „Chemie“ beider erlebt werden. Wird einer Führungskraft bewusst, dass Sie in der Kundenbeziehung möglicherweise dem Beziehungsaspekt mehr Gewicht beimessen muss, bis die Chemie stimmt, so braucht das Sammeln von Erfahrungen Zeit.

Das Entwickeln neuer positiver Führungs-Gewohnheiten (Habits, Muster, Rituale) ist ein grosses, anspruchsvolles Vorhaben. Es beansprucht in der Regel mehrere Reflexionen mit einem Sparring Partner, Selbsterkenntnis, erste machbare Versuche. 

Das Versprechen des Titels „Lösungsorientierte Kurzzeit-Beratung“, nämlich in kurzer Zeit eine Lösung herbeizuführen, klingt verführerisch. Doch in der Realität ist es mit einer Lösung meist noch nicht getan. Diese will nämlich getestet, angepasst und selber weiter entwickelt werden, bis sie genügend automatisiert ist und die Veränderung des Klienten wirklich nachhaltig ist.

Widerstehen Sie dem Versprechen selbsternannter Kurzzeit-Coaches. Wirklich professionelle Coaches haben eine fundierte Ausbildung, jahrelange Berufserfahrung und arbeiten in der Regel mehrere Monate mit einem Kunden zusammen. Techniken der lösungsorientierten Kurzzeitberatung fliessen selbstverständlich auch bei längerer Beratung ein.

 

 

 

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